Seit seinem Lautenstudium bei Patrick O'Brien in New York in den 1990er-Jahren entwickelt Jozef van Wissem eine unverwechselbare Klangsprache, die Renaissance- und Barockmusik mit Drones, Elektronik, Field Recordings und Gesang verbindet. Einflüsse aus No Wave, Industrial und Minimalismus prägen seine Kompositionen ebenso wie sein Interesse an historischen Klangwelten. So entstehen Werke, die Gegensätze vereinen – meditativ und intensiv, zeitlos und zugleich experimentell. Das Musikmagazin The Quietus bezeichnete ihn als „wahrscheinlich den bekanntesten Lautenisten der Welt“.
Der Avantgarde-Komponist spielt auf einer eigens angefertigten schwarzen Barocklaute. Seine Musik gilt als hypnotisch, minimalistisch und atmosphärisch dicht; Schönheit verbindet sich mit einer dunklen, kontemplativen Kraft. Seine Texte greifen mythisch-christliche Themen wie Liebe, Glaube und das Jenseits auf und entfalten durch ihre mantraartige Wiederholung eine besondere Sogwirkung.
International bekannt wurde van Wissem auch durch seine Zusammenarbeit mit Regisseur und Musiker Jim Jarmusch. Für den Soundtrack zu Only Lovers Left Alive erhielt er 2013 den Cannes Soundtrack Award. Gemeinsam gingen sie 2025 auf Welttournee und veröffentlichten ihr fünftes gemeinsames Album The Day The Angels Cried.
Darüber hinaus komponierte van Wissem Musik für Filme und Videospiele, darunter The Sims Medieval (2011), Uncle Howard (2016), Land (2018), die HBO-Serie Irma Vep (2022), Queens (2023) und den preisgekrönten Film Un Prince (2024).
Seine Konzerte führen ihn rund um den Globus – von Rockfestivals bis in Kirchen. Er arbeitete unter anderem mit Tilda Swinton und Zola Jesus zusammen. 2019 erhielt er von der Cinémathèque française den Auftrag, Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilmklassiker Nosferatu (1922) neu zu vertonen. Der Soundtrack erschien 2022 auf seinem eigenen Label Incunabulum; 2024 folgte eine ausverkaufte US-Tournee mit Live-Aufführungen des Films. Für 2026 und 2027 ist eine weitere Welttournee geplant.